Unterbodenschutz selber auftragen
Der Unterboden Ihres Fahrzeugs ist ständigen Belastungen ausgesetzt: Nässe, Split, Streusalz und Steinschläge setzen ihm zu. Ein zuverlässiger Unterbodenschutz ist daher unerlässlich, um die Langlebigkeit Ihres Autos zu gewährleisten. Während viele Autofahrer diesen wichtigen Schutz in Werkstätten durchführen lassen, können Sie mit etwas Vorbereitung und den richtigen Materialien den Unterbodenschutz selber auftragen – und dabei auch noch Geld sparen.
Warum Unterbodenschutz so wichtig ist
Der Unterboden Ihres Fahrzeugs ist dauerhaft verschiedensten schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Besonders in der Winterzeit, wenn Streusalz auf den Straßen liegt, steigt das Risiko für Korrosion enorm an. Auch Feuchtigkeit, Schmutz und Steinschläge tragen dazu bei, dass der Unterboden anfällig für Rostbildung wird.
Ein guter Unterbodenschutz bietet mehrere entscheidende Vorteile:
- Effektiver Rostschutz für tragende Teile
- Längere Lebensdauer des Fahrzeugs
- Werterhalt Ihres Autos
- Verbesserte Dämpfung von Fahrgeräuschen
- Schutz vor Steinschlägen und mechanischen Beschädigungen
Besonders Fahrzeugbesitzer in Küstenregionen oder Gegenden mit starkem Salzstreuung im Winter sollten dem Unterbodenschutz besondere Aufmerksamkeit schenken. Ein unzureichend geschützter Unterboden kann nach wenigen Jahren zu kostspieligen Reparaturen oder sogar zum wirtschaftlichen Totalschaden führen.
Welche Unterbodenschutz-Varianten gibt es?
Bevor Sie mit der Arbeit beginnen, sollten Sie sich mit den verschiedenen Arten von Unterbodenschutzmitteln vertraut machen. Jede Variante hat spezifische Eigenschaften und Einsatzgebiete:
1. Wachsbasierter Unterbodenschutz: Dieser wachsbasierte Unterbodenschutz bildet einen flexiblen Film, der Wasser abweist und in Ritzen und Spalten kriecht. Er eignet sich hervorragend für den Hohlraumschutz und kann auch über bestehende Beschichtungen aufgetragen werden.
2. Bitumen-Unterbodenschutz: Diese schwarze, zähe Masse bietet einen sehr guten Schutz gegen Steinschläge und dämpft zusätzlich Fahrgeräusche. Bitumen-Unterbodenschutz trocknet zu einer festen, aber elastischen Schicht und ist sehr langlebig.
3. Kunststoffbasierter Unterbodenschutz: Diese Variante vereint die Vorteile von Wachs und Bitumen. Sie ist elastisch, bietet guten Steinschlagschutz und ist relativ beständig gegen Abrieb. Kunststoffbasierter Unterbodenschutz ist oft die bevorzugte Wahl für den DIY-Bereich.
4. Unterbodenschutz-Spray: Diese einfach anzuwendende Lösung ist ideal für kleinere Flächen oder Ausbesserungsarbeiten. Unterbodenschutz-Spray lässt sich präzise auftragen, erreicht jedoch nicht immer die Schichtdicke der anderen Varianten.
Das benötigen Sie für den selbst aufgetragenen Unterbodenschutz
Bevor Sie mit der Arbeit beginnen, sollten Sie alle notwendigen Materialien und Werkzeuge bereitstellen:
Grundausstattung:
- Unterbodenschutzmaterial (je nach gewählter Variante)
- Unterbodenschutz-Pistole oder Sprühgerät
- Hebebühne oder solide Auffahrrampen
- Schutzbrille, Handschuhe und Atemschutzmaske
- Alte Kleidung oder Schutzanzug
- Entfetter oder Bremsenreiniger
- Hochdruckreiniger
- Rostumwandler (bei vorhandenen Rostflächen)
- Drahtbürste und Schleifpapier
- Abdeck- und Kreppband
- Ausreichend Lappen und Reinigungsmittel
Je nach Zustand Ihres Fahrzeugs und der gewählten Unterbodenschutzmethode können weitere Materialien erforderlich sein. Planen Sie für die Vorbereitung und Durchführung ausreichend Zeit ein – ein Wochenende ist in der Regel realistisch.
Schritt für Schritt: Unterbodenschutz selber auftragen
1. Gründliche Vorbereitung des Fahrzeugs
Der wichtigste Schritt für einen erfolgreichen Unterbodenschutz ist die sorgfältige Vorbereitung des Fahrzeugs. Dies beginnt mit einer gründlichen Reinigung des Unterbodens. Idealerweise nutzen Sie hierfür einen Hochdruckreiniger, um Schmutz, Salz und lockeren Rost zu entfernen.
Wichtig: Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrzeug sicher aufgebockt ist. Arbeiten Sie niemals unter einem Fahrzeug, das nur mit einem Wagenheber gesichert ist! Verwenden Sie Unterstellböcke oder professionelle Auffahrrampen.
Nach der Reinigung müssen Sie den Unterboden vollständig trocknen lassen. Dies kann je nach Witterung einige Stunden bis zu einem Tag dauern. In dieser Zeit können Sie bereits andere Vorbereitungen treffen:
- Kleben Sie empfindliche Teile wie Bremsleitungen, ABS-Sensoren und Auspuffteile sorgfältig ab
- Entfernen Sie lockeren Rost mit einer Drahtbürste oder einem Schleifgerät
- Behandeln Sie verbleibende Rostflächen mit einem Rostkonverter
Wie Sie sehen, ist der Korrosionsschutz ein entscheidender Faktor beim Unterbodenschutz. In unserem Artikel „Korrosion vermeiden, Wert erhalten“ finden Sie weitere wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Fahrzeug optimal vor Rost schützen können.
2. Auftragen des Unterbodenschutzes
Sobald der Unterboden vollständig vorbereitet ist, kann der Unterbodenschutz aufgetragen werden. Je nach gewähltem Material gibt es unterschiedliche Methoden:
Bei Unterbodenschutz-Spray:
Halten Sie die Dose in einem Abstand von 20-30 cm und sprühen Sie gleichmäßig. Tragen Sie mehrere dünne Schichten auf, statt einer dicken. Lassen Sie zwischen den Schichten die vom Hersteller empfohlene Trocknungszeit verstreichen.
Bei Unterbodenschutz aus der Kartusche:
Füllen Sie die Druckluftpistole mit dem Material und tragen Sie es gleichmäßig auf. Beginnen Sie von einer Seite und arbeiten Sie sich systematisch vor, um Überlappungen zu vermeiden. Achten Sie besonders auf Schweißnähte, Kanten und Ecken, da hier die Rostgefahr besonders hoch ist.
Bei beiden Methoden gilt: Arbeiten Sie in einer gut belüfteten Umgebung und tragen Sie Ihre Schutzausrüstung! Die Dämpfe können gesundheitsschädlich sein und das Material ist schwer von Haut und Kleidung zu entfernen.
3. Trocknung und Aushärtung
Nach dem Auftragen benötigt der Unterbodenschutz Zeit zum Trocknen und Aushärten. Je nach Produkt kann dies zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen dauern. Beachten Sie unbedingt die Herstellerangaben!
Während dieser Zeit sollte das Fahrzeug nicht bewegt werden und idealerweise in einer trockenen, staubfreien Umgebung stehen. Vermeiden Sie es, in dieser Zeit durch Pfützen oder bei Regen zu fahren, da frischer Unterbodenschutz durch Spritzwasser beschädigt werden kann.
Nach der vollständigen Aushärtung können Sie eine Sichtprüfung durchführen und bei Bedarf Stellen nachbessern, die nicht ausreichend abgedeckt wurden.
Besondere Aufmerksamkeit für kritische Bereiche
Einige Bereiche am Unterboden benötigen besondere Aufmerksamkeit, da sie anfälliger für Korrosion sind:
Radkästen: Hier sammelt sich Schmutz und Feuchtigkeit besonders leicht. Zudem sind sie durch Steinschlag stärker belastet. Tragen Sie hier eine etwas dickere Schicht Unterbodenschutz auf.
Schweißnähte und Falze: An diesen Stellen kann Feuchtigkeit leicht eindringen. Achten Sie darauf, dass diese Bereiche besonders gründlich behandelt werden.
Hohlräume: Für diese schwer zugänglichen Stellen empfiehlt sich ein spezieller Hohlraumschutz mit einer langen Sprühlanze, die auch entlegene Ecken erreicht.
Tipp: Für eine optimale Behandlung dieser kritischen Bereiche können spezielle Sondensets für die Druckluftpistole verwendet werden, die auch schwer zugängliche Stellen erreichen.
Häufige Fehler beim Unterbodenschutz vermeiden
Bei der Durchführung des Unterbodenschutzes in Eigenregie passieren häufig einige Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten:
1. Unzureichende Vorbereitung: Der häufigste Fehler ist eine mangelhafte Reinigung und Rostbehandlung vor dem Auftragen. Der beste Unterbodenschutz ist wirkungslos, wenn er auf Schmutz oder aktivem Rost aufgetragen wird.
2. Zu dünner Auftrag: Viele Heimwerker tragen das Material zu dünn auf, wodurch der Schutzeffekt deutlich reduziert wird. Folgen Sie den Herstellerempfehlungen zur Schichtdicke.
3. Abkleben wichtiger Komponenten vergessen: Unterbodenschutzmittel haben auf Bremsscheiben, Auspuffanlagen oder Gelenkmanschetten nichts zu suchen. Ein sorgfältiges Abkleben ist unerlässlich.
4. Ungeeignetes Material: Nicht jeder Unterbodenschutz eignet sich für jedes Fahrzeug oder jeden Einsatzzweck. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Eigenschaften der verschiedenen Produkte.
Wann ist eine professionelle Unterbodenschutz-Behandlung sinnvoll?
Obwohl das Auftragen von Unterbodenschutz durchaus in Eigenregie möglich ist, gibt es Situationen, in denen eine professionelle Behandlung die bessere Wahl sein kann:
Bei stark korrodierten Fahrzeugen: Wenn Ihr Fahrzeug bereits erhebliche Rostschäden aufweist, kann eine fachgerechte Sanierung durch Profis notwendig sein.
Bei fehlender Ausrüstung: Ohne Hebebühne oder geeignete Rampen ist die Arbeit am Unterboden mühsam und potenziell gefährlich.
Bei Oldtimern und Sammlerfahrzeugen: Bei wertvollen Fahrzeugen sollte die Behandlung von Experten durchgeführt werden, um den Wert des Fahrzeugs zu erhalten.
Ein weiterer Vorteil professioneller Dienstleister ist ihre Erfahrung und das Wissen um die optimalen Materialien für verschiedene Fahrzeugtypen. Zudem verfügen sie über spezielle Geräte, die eine gleichmäßige Auftragung gewährleisten.
Regelmäßige Kontrolle und Wartung des Unterbodenschutzes
Der Unterbodenschutz ist keine einmalige Angelegenheit. Um langfristig einen optimalen Schutz zu gewährleisten, sollten Sie den Zustand des Unterbodens regelmäßig überprüfen – idealerweise beim saisonalen Reifenwechsel:
Kontrollieren Sie den Unterboden auf:
- Abplatzungen oder Beschädigungen im Schutzfilm
- Neue Rostbildung
- Ansammlungen von Schmutz und Salz
Bei erkennbaren Schäden sollten diese umgehend ausgebessert werden. Kleinere Ausbesserungen können mit Unterbodenschutz-Spray vorgenommen werden, während größere Flächen eine umfassendere Behandlung erfordern.
Besonders nach Wintermonaten mit intensiver Salzstreuung ist eine gründliche Reinigung des Unterbodens empfehlenswert, um Salzrückstände zu entfernen, die trotz Unterbodenschutz Korrosion verursachen können.
Fazit: Ihr Auto verdient einen guten Unterbodenschutz
Ein sorgfältig aufgetragener Unterbodenschutz ist eine Investition in die Langlebigkeit Ihres Fahrzeugs. Mit der richtigen Vorbereitung, den passenden Materialien und etwas Geduld können Sie diese wichtige Schutzmaßnahme selbst durchführen und dabei erhebliche Kosten sparen.
Denken Sie daran: Der Aufwand für den Unterbodenschutz ist deutlich geringer als die Kosten für Reparaturen von Rostschäden an tragenden Teilen. Zudem trägt ein intakter Unterboden wesentlich zum Werterhalt Ihres Fahrzeugs bei.
Wenn Sie mehr über den allgemeinen Korrosionsschutz Ihres Fahrzeugs erfahren möchten, lesen Sie auch unseren Artikel zum Thema „Korrosion vermeiden, Wert erhalten“. Hier finden Sie weitere wertvolle Tipps zur Pflege und zum Schutz Ihres Autos.







